Neujahrskonzerte 2025

Flauto favoloso

1.–2. & 5. Januar 2025

Swiss Orchestra
Lena-Lisa Wüstendörfer, Leitung
Marice Steger, Blockflöte

Der Vorverkauf in Andelfingen wird im Sommer 2024 eröffnet.

1.1.2025
Mittwoch, 17:00 Uhr
Andermatt
Konzerthalle
2.1.2025
Donnerstag, 17:00 Uhr
5.1.2025
Sonntag, 17:15 Uhr
Andelfingen
Reformierte Kirche

Konzertprogramm

Joseph Franz Xaver Dominik Stalder (1725 Luzern – 1765 Luzern)
Sinfonie Es-Dur

Anton Heberle (um 1780 – um 1816)
Konzert für Blockflöte und Orchester G-Dur

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
Divertimento F-Dur KV 522 («Ein musikalischer Spass»)

Antonio Vivaldi (1678–1741)
Konzert für Blockflöte G-Dur op. 10/6 RV 437

Fabian Müller (* 1964 Zürich)
Fantasia folcloristica

Johann Strauss (Sohn, 1825–1899)
Tik-Tak Polka

Johann Strauss (Vater, 1804–1849)
Radetzky-Marsch

Das Komponieren nach klassischen Regeln der Kunst erfordert gründliche Kenntnisse der musikalischen Kontrapunkttechniken und -prinzipien. Bitte achten Sie beim Schreiben von Musik darauf, dass die Stimmführung logisch und sangbar ist, vermeiden Sie zu grosse und unangenehme Sprünge und vergewissern Sie sich, dass die Stimmen untereinander gut ausbalanciert sind; Quint- und Oktavparallelen zwischen den Stimmen sind verboten, die richtige Behandlung von Leittönen wird vorausgesetzt. Und das Wichtigste: Bleiben Sie trotz all der Regeln schön geschmeidig, ansonsten wird das nichts mit einem inspirierten Werk und Sie laufen Gefahr, von Mozart höchst persönlich verspottet zu werden: Denn dieser hat in seinem Divertimento KV522 namens «Ein musikalischer Spass» genau jene dilettierenden Komponisten aufs Korn genommen, denen es an technischen Fertigkeiten und an musikalischer Eingebungskraft mangelte.

Mozarts «musikalischer Spass» steht in der Mitte der Neujahrskonzerte des Swiss Orchestra, die Unterhaltung mit dem Besinnlichen und Beschwingten auf bisher ungehörte Art und Weise kombinieren. Den Auftakt in die Neujahrsfestivitäten macht die Sinfonie in Es-Dur des Luzerner Frühklassikers Joseph Franz Xaver Dominik Stalder, auch bekannt als Giuseppe Stalder – in der ausgehenden Barockzeit war es unter Komponisten beliebt, seinen eigenen Namen zu Vermarktungszwecken kurzerhand ins Italienische zu übersetzen. Stalder war ein gefragter Vertreter der Vorklassik; Nach einer Ausbildung am Jesuitenkollegium Luzern hielt er sich mitunter in den Kulturmetropolen Mailand, London und Paris auf und war als Kapellmeister sogar für den Fürsten von Monaco tätig. An seiner Sinfonie in Es-Dur ist nicht nur interessant, dass sie stilistisch zwischen ausgehendem Barock und aufkommender Klassik zu verorten ist, sondern auch, dass mit den beiden Hörnern – eine für die Gattung in dieser Zeit eher ungewöhnliche Besetzung – ganz spezielle Klangfarben entstehen.

Wie für die meisten seiner Zeitgenossen, dürfte auch für Stalder Antonio Vivaldi eines der wichtigsten musikalischen Vorbilder gewesen sein. Der 1678 in Venedig geborene Violinist prägte die Entwicklung der italienischen barocken Konzerttradition bereits zu Lebzeiten massgeblich – seine Opern und Concerti, aber auch die geistlichen Werke hatten nicht zuletzt im deutschen Sprachraum grossen Einfluss. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich heute seine Flötenkompositionen – etwa das 1729 erstmals veröffentlichte Konzert für Blockflöte G-Dur op. 10/6 RV 437, das gekonnt zwischen barocker Gravitas und leichten und feierlichen Motiven hin- und herwechselt. Oft auf der Querflöte gespielt, werden das Swiss Orchestra und der charismatische Schweizer Blockflötist Maurice Steger dem Werk an Neujahr 2025 originale Klänge entlocken.

Aus einer ganz anderen Zeit als derjenigen Vivaldis und Stalders – nämlich aus der unsrigen Gegenwart – stammt die «Fantasia folcloristica» von Fabian Müller. Und dennoch kommt auch hier alte Musik zum Zug: In dieser farbenfrohen Komposition verarbeitet der 1964 geborene Zürcher Komponist Melodien aus traditionellen Tänzen, wie sie in der südlichen Schweiz in vergangenen Jahrhunderten praktiziert wurden. Zu hören sein wird etwa eine Mazurka aus dem Tessin, ein gradliniger Engadiner Tanz oder eine virtuose Polka. Ein fantastisches musikalisches Erlebnis ist garantiert. Und weil wir von den sanften Tönen der Blockflöte nicht genug bekommen können, gibt es mit Anton Heberles Konzert in G-Dur gleich noch einen obendrauf.

Zu guter Letzt dürfen an Neujahr natürlich auch die beiden Walzerkönige Strauss – Vater und Sohn – nicht fehlen. Denn auch wenn sie immer wieder gerne in die Schublade der von Mozart in seinem «musikalischen Spass» persiflierten Dilettanten gesteckt werden: Das Kompositonshandwerk, insbesondere, was feierliche Märsche und Tänze angeht, beherrschten beide vorzüglich. Dass ihre Stücke bis heute kaum an Popularität verloren haben, ist das lebendige Zeugnis davon.

Maurice Steger wird als «Paganini» und «Hexenmeister der Blockflöte» sowie «The world’s leading recorder player» betitelt. Um solch hohen Erwartungen gerecht zu werden, bedarf es nicht nur Stegers erstaunenswerter Technik, sondern auch Charisma, Intellekt und eines ganz besonderen Feingefühls für die Musik. All dies zeigt Maurice Steger seinem Publikum und begeistert mit seiner intensiven Tongebung und unendlichen Energie in verschiedensten Konzertformaten auf der ganzen Welt.  Regelmässig kann man ihn als Solist, Dirigent oder auch in Doppelfunktion sowohl mit den tonangebenden Originalklangensembles wie der Akademie für Alte Musik Berlin, La Cetra Barockorchester Basel, Venice Baroque Orchestra, The English Concert, Il Pomo D’Oro oder I Barocchisti als auch mit modernen Orchestern wie u.a. dem Zürcher Kammerorchester, dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt, dem Münchener Kammerorchester, der NDR Radiophilharmonie oder dem Musikkollegium Winterthur erleben.

Maurice Steger liebt den Austausch mit verschiedenen Kulturen und das Kennenlernen anderer Arbeitsweisen und Interpretationsansätze, sodass er nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt konzertiert, unterrichtet und als Juror tätig ist. Tourneen führten ihn durch Nord- und Südamerika, Asien und Australien. Durch seinen nie gestillten Wissensdurst gelingt es Steger immer wieder zu zeigen, wie viel es in der Barockmusik noch zu entdecken gibt. So präsentierte er auf seiner CD «Souvenirs» Werke, die er in der Privatbibliothek des Grafen Harrachs in Neapel entdeckte. Sein Album «Baroque Twitter» mit dem Kammerorchester Basel und der Sängerin Nuria Rial wurde von Vogelgesängen inspiriert. «Mr. Handel’s Dinner» mit dem La Cetra Barockorchester Basel erschien im Frühjahr 2019 und empfindet Pausenmusiken während Händels Opernvorstellungen in London nach. Im September 2023 erschien nun Stegers ganz persönliches «Tribute to Bach», eingespielt ebenfalls mit La Cetra Barockorchester Basel, bei Berlin Classics.