Klassiker Swiss Made
CHF

Über das Programm
Das Konzert eröffnet mit Joseph Stalders Sinfonie, einem frühklassischen Werk, das musikalisch im Übergang des ausgehenden Barocks und der aufkommenden Klassik anzusiedeln ist und mit einer ungewöhnlichen Besetzung aufwartet: Der Sinfonie für Streicher werden zwei Hörner an die Seite gestellt, die mal für geistreich anmutende Lebhaftigkeit, mal für feierliche Stimmung sorgen. Dass nicht nur Neuentdeckungen zu ungewöhnlichen Hörerlebnissen führen können, wird an Haydns letztem Klavierkonzert deutlich, das in einer Fassung für Akkordeon und Orchester präsentiert wird: Die Solistin Viviane Chassot, die mit dem Schweizer Musikpreis 2021 ausgezeichnet wurde, führt eindrucksvoll vor, wie verblüffend farbenreich das in der Volksmusik verankerte Akkordeon im klassischen Kontext klingen kann und wie ungewöhnlich sich Haydns Klangwelt dadurch neu erschliessen lässt.
Im zweiten Konzertteil erklingt die Ouvertüre des – wie auch Stalder – in Luzern geborenen Franz Xaver Schnyder von Wartensee. Das 1818 in seinen ersten Frankfurter Jahren entstandene, vor Spielfreude sprühende Frühwerk ist ein gelungenes Beispiel für den klassischen Stil, der den Vergleich mit Schnyders Idol Joseph Haydn in keiner Weise scheuen muss. Der einer Luzerner Patrizierfamilie entstammende Komponist gilt als bedeutendster Schweizer Tonschöpfer im Übergang von Klassik zu Romantik – und doch werden seine Werke heute kaum gespielt. Der umtriebige und international vernetzte Tonkünstler lernte während eines einjährigen Aufenthalts in Wien Beethoven kennen. Schnyder von Wartensee verbrachte genau jene Zeit zwischen 1811 und 1812 in Wien, in der Beethoven dort seine 8. Sinfonie komponierte, die ebenfalls im Konzert zu hören sein wird. Während sich Beethoven mit zeitpolitischen Umständen im Kontext der jahrelangen napoleonischen Vorherrschaft und der folgenden, europäischen Befreiungskriege beschäftigte, hatte Schnyder ganz andere Sorgen: Im Zuge des Stadtbrands von Baden (bei Wien) verlor er 1812 seinen gesamten Besitz inklusive Instrumente und Kompositionsmanuskripte und kehrte als Reaktion auf den Brand nach Luzern zurück. Was wäre wohl passiert, wenn Schnyders Kompositionen nicht verbrannt und er in Wien geblieben wäre? Wäre er heute ein bekannter Komponist im illustren Kreis der Wiener Klassiker?
Besetzung
VIVIANE CHASSOT, Akkordeon
SWISS ORCHESTRA
LENA-LISA WÜSTENDÖRFER, Leitung
Konzertprogramm
JOSEPH FRANZ XAVER DOMINIK STALDER (1725–1765)
Sinfonie in Es-Dur
JOSEPH HAYDN (1732–1809)
Klavierkonzert in D-Dur, Hob XVIII:11, für Akkordeon (orig. Klavier) und Orchester
FRANZ XAVER SCHNYDER VON WARTENSEE (1786–1868)
Ouvertüre in c-Moll
LUDWIG VAN BEETHOVEN (1770–1827)
Sinfonie Nr. 8 in F-Dur op. 93
Tonhalle
St. Gallen
Anfahrt
MIT DEM ÖV
Vom Hauptbahnhof St.Gallen zu Fuss ca. 15 Minuten
Buslinien 1, 2, 7 und 8 bis Theater
MIT DEM AUTO
Tiefgarage Brühltor
Barrierefreiheit
MOBILITÄTSBEHINDERUNG / ROLLSTUHL
Die Tonhalle erreichen Sie über das Cityparking Brühltor. Vor Veranstaltungen ist im ersten Untergeschoss der direkte Durchgang zur Tonhalle geöffnet. Vom Tonhalle-Untergeschoss bringt Sie ein Aufzug ins Erdgeschoss (Foyer/Kasse) und in den Saal (erstes Obergeschoss), wo im Parkett Rollstuhlplätze verfügbar sind. In die Tonhalle gelangen Sie auch über eine Aussenrampe via Restaurant Concerto.
SEHBEHINDERUNG
Für Menschen mit einer Sehbehinderung oder Blindheit bieten wir nach Voranmeldung einen kostenlosen Begleitservice an. Assistenzhunde sind herzlich willkommen und können auf Voranmeldung selbstverständlich mit in die Vorstellung genommen werden.
Garderobe
Abendkasse
Einlass
Ermässigungen
Schüler*innen, Studierende und Auszubildende bis 30 Jahre sowie Kulturlegi-Inhaber*innen erhalten 50% Ermässigung.
Viviane Chassot wurde in Zürich geboren und lebt heute als freischaffende Musikerin in Basel. Ihren ersten Akkordeonunterricht erhielt Sie mit 12 Jahren bei Ernst Kaelin, der sie schon früh in der Interpretation klassischer polyphoner Werke auf dem Einzeltonmanual (MIII) gefördert hat. Wichtige Impulse erhielt sie während dieser frühen Phase der musikalischen Ausbildung auch von Gérard Fahr. 2006 hat Viviane Chassot Ihre Studien an der Hochschule der Künste Bern bei Teodoro Anzellotti mit dem Master of Performance and Pedagogy abgeschlossen. Von 2009 bis 2013 lebte sie als freischaffende Musikerin in Leipzig. Während dieser Zeit erhielt sie wichtige Impulse durch Eberhard Feltz (Musikhochschule Hans Eisler, Berlin) und besuchte zahlreiche Meisterkurse u.a. bei Ferenc Rados, András Schiff und Alfred Brendel. Nebst reger Konzerttätigkeit gibt Viviane Chassot internationale Meisterklassen. Sie ist Dozentin für Akkordeon am Konservatorium Winterthur und am Hohner-Konservatorium Trossingen. Viviane Chassot ist Mitglied des traditionsreichen Rotary Club Basel.
Mit ihren Interpretationen auf dem Akkordeon setzt Viviane Chassot immer wieder neue Massstäbe. Sie tritt als Solistin und Kammermusikerin weltweit in renommierten Konzerthäusern auf wie Philharmonie Berlin, Gewandhaus Leipzig, Guggenheim Museum New York, Wigmore Hall London, Konzerthaus Wien, Tonhalle Zürich. Sie arbeitete bereits mit Dirigenten wie Simon Rattle, David Zinman, Riccardo Chailly und Heinz Holliger und ist wiederholt Gast bei internationalen Festivals. Als vielseitige Musikerin überschreitet sie stilistische Grenzen: mutig und innovativ verbindet sie Klassik, Jazz, neue Musik und Improvisation. In den vergangenen Jahren spielte Viviane Chassot zahlreiche Uraufführungen und war Gewinnerin des Kranichsteiner Musikpreises. 2015 wurde sie mit dem Swiss Ambassador’s Award London ausgezeichnet. Als Künstlerpersönlichkeit mit internationaler Ausstrahlung und Pionierin Ihres Fachs erhielt Viviane Chassot den Schweizer Musikpreis 2021.
Für alle, die Schweizer Sinfonik nicht nur hören, sondern
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