Schweizer sinfonik
Einheimisches Musikschaffen neu entdeckt

Joseph Franz Xaver Dominik Stalder
1725 (LUZERN) – 1765 (LUZERN)
Es gab eine Zeit, da gehörte es zum guten Ton, als Komponist einen italienischen Namen zu tragen. Dabei ging es nicht nur um den schönen Klang der italienischsprachigen Anrede, vielmehr war es eine Strategie, die Vermarktungsmöglichkeiten im In- wie Ausland zu steigern. Und so nannte sich der 1725 in Luzern geborene Komponist Joseph Franz Xaver Dominik Stalder schlicht Giuseppe Stalder.
Nach dem Besuch des Jesuitenkollegiums Luzern hat Stalder wohl 1746 in Mailand Moraltheologie und Musik studiert. 1749 wurde er zum Priester geweiht. Seine musikalische Ausbildung genoss er unter anderem beim einflussreichen Mailänder Kapellmeister Giovanni Battista Sammartini. Nach abgeschlossenem Studium kehrte er zunächst in seine Heimat zurück und wurde Chordirektor in Hergiswald sowie Provisor am Stift St. Leodegar.
Stalder aber beschränkte sich nicht auf das lokale Wirken – er war zu Lebzeiten ein gefragter, international vernetzter und tätiger Musiker und Komponist. In den 1750er- und frühen 1760er-Jahren hatte er Engagements in Mainz, London sowie Paris und war zudem Kapellmeister der Fürsten von Monaco und Conti. Stalder gehörte zu den Vertretern der Vorklassik und komponierte zahlreiche Instrumentalwerke, deren Widmungen belegen, dass er mit einflussreichen Persönlichkeiten in Kontakt stand. Gesundheitliche Gründe zwangen den 37-jährigen Komponisten 1762 zurück nach Luzern, wo er Organist am Stift St. Leodegar wurde. Drei Jahre später verstarb er.
Trotz italienischem Namen und gutem Netzwerk hat Stalders Musik ihn nur teilweise überdauert: Viele seiner Kompositionen sind verschollen und er schon kurz nach seinem frühen Tod in Vergessenheit geraten.


