Tour #2

Tanzende Juwelen

29. März–5. April 2020

Swiss Orchestra
Lena-Lisa Wüstendörfer, Leitung
Heinz Holliger, Oboe
Alice Belugou, Harfe

Konzertprogramm

Johann Carl Eschmann (1826 Winterthur – 1882)
Grosse Konzert-Ouvertüre

Frank Martin (1890 Genf – 1974)
«Trois Danses» für Oboe, Harfe, Streichquintett und Streichorchester

Johannes Brahms (1833 – 1897)
Symphonie Nr. 3, op. 90

Der Winterthurer Johann Carl Eschmann studierte unter anderem bei Felix Mendelssohn Bartholdy und Ignaz Moscheles in Leipzig bevor er in seiner Heimatstadt sowie Schaffhausen und Zürich als Klavierlehrer und Komponist wirkte. Er gehörte zum engeren Freundeskreis Richard Wagners und war mit Johannes Brahms befreundet, der ihn als Komponisten sehr schätzte. Eschmanns Werke sind stilistisch von Robert Schumann und Felix Mendelssohn beeinflusst. Nichtsdestotrotz entwickelte er schon früh eine eigene Tonsprache mit unerwartet rhythmischen Feinheiten und harmonischen Wendungen. Seine Grosse Konzert-Ouvertüre, entstanden 1847, ist eine seiner frühen Kompositionen und blieb (leider) sein einziges Werk für Orchester.

Im Gegensatz zu Eschmann gehört der Westschweizer Frank Martin zu den bekannteren Persönlichkeiten unter den Schweizer Komponisten. Auf Wunsch seiner Eltern begann er zunächst Mathematik und Physik in Genf zu studieren, widmete sich jedoch immer stärker und schliesslich ganz der Komposition. In Genf arbeitete er in der Folge eng mit Emile Jaques-Dalcroze zusammen und gründete zur Pflege der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts die dortige «Société de musique de chambre». Neben grossen Vokalwerken schuf Martin anspruchsvolle Instrumentalmusik. So die «Trois Danses» für Oboe, Harfe, Streichquintett und Streichorchester, die mit Flamenco-Rhythmen spielen. Die «Trois Danses» wurden am 9. Oktober 1970 in Zürich unter der Leitung von Paul Sacher und den Solisten Heinz und Ursula Holliger uraufgeführt.

Die in der zweiten Konzerthälfte erklingende 3. Symphonie von Johannes Brahms schlägt eine Brücke zum romantischen Konzertbeginn. Die 3. Symphonie entstand 1883 und fällt damit in die Zeit des sogenannten «Musikstreits» zwischen Vertretern der Neudeutschen Schule, die in sinfonischer Dichtung und Programmmusik die Zukunft der Musik sahen und Verfechtern der «absoluten» Musik, die Kompositionen frei von aussermusikalischen Inhalten vertraten und zu denen auch Brahms zählte. Letztere vertraten die Auffassung, dass Musik nicht an programmatischen Aussagen, sondern allein an innermusikalischen künstlerischen Ansprüchen gemessen werden solle, wie es in der Wiener Klassik üblich war. Nicht verwunderlich, dass die Resonanz auf dieses Werk gespalten war. Während die einen es ablehnten, gerieten andere ins Schwärmen. So schreibt Antonín Dvořák an seinen Verleger Simrock «Welch herrliche Melodien sind da zu finden! Es ist lauter Liebe und das Herz geht einem dabei auf.» Und Clara Schumann schreibt an Brahms: «…jeder Satz ein Juwel! – Wie ist man von Anfang bis zu Ende umfangen von dem geheimnisvollen Zauber…»

Heinz Holliger gehört zu den vielseitigsten und aussergewöhnlichsten Schweizer Musikerpersönlichkeiten. Er gilt nicht nur als einer der weltweit wichtigsten Oboenvirtuosen, sondern ist auch einer der berühmtesten zeitgenössischen Schweizer Komponisten und gefeierter Dirigent.

Geboren im bernischen Langenthal absolvierte Holliger seine Oboenstudien in Bern bei Emile Castagnaud und in Paris bei Pierre Pierlot. Preise bei renommierten internationalen Musikwettbewerben (1959 in München; 1961 in Genf) machten ihn als Instrumentalisten international bekannt. Seit 1963 tritt er freiberuflich als Solist auf und hat auf seinem Instrument neue Massstäbe gesetzt.

Zeitgenössische Komponisten wie Hans Werner Henze, Krzysztof Penderecki, György Ligeti, Elliott Carter, Witold Lutoslawski, Karlheinz Stockhausen und Luciano Berio schrieben eigens Werke für ihn. So widmete ihm etwa auch der Genfer Frank Martin seine 1970 uraufgeführten «Trois Danses».

Unter Holligers zahlreichen Preisen und Auszeichnungen seien stellvertretend genannt: Frankfurter Musikpreis 1988, Kunstpreis der Stadt Basel 1988, Ernst von Siemens Musikpreis 1991, der 2007 erstmals verliehene Zürcher Festspielpreis, Rheingau Musikpreis 2008, Schweizer Grand Prix Musik 2015 oder der Robert-Schumann-Preis 2017. Er war Composer in Residence des Orchestre de la Suisse Romande und bei den Internationalen Musikfestwochen in Luzern. Die Cité de la Musique in Paris widmete Holliger als Komponist, Dirigent und Oboist im April 2003 eine ganze Konzertwoche. Durch Projekte wie das 1987 von ihm mitbegründete Basler Musikforum und Kooperationen mit der Jungen Deutschen Philharmonie und dem Ensemble Modern engagiert sich Holliger in besonderer Weise für die Verbreitung Neuer Musik.

Heinz Holliger tritt zusammen mit den führenden Orchestern auf, darunter die Berliner Philharmoniker, das Cleveland Orchestra, das Concertgebouw Orchestra Amsterdam, das London Philharmonia Orchestra, die Wiener Symphoniker, die Wiener Philharmoniker, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die Frankfurter Symphoniker und das Tonhalle-Orchester Zürich.

Die Harfenistin Alice Belugou wurde 1991 in Rouen geboren. Sie begann ihr Studium an der Pariser Sorbonne und der Pôle Supérieur de Paris Boulogne-Billancourt, wechselte dann für den Master in Music Performance an die Haute École de Musique Lausanne, wo sie 2015 den Spezialpreis für ausgezeichnete Masterkonzerte erhielt, und absolvierte anschliessend an der Basler Hochschule für Musik den Masterstudiengang in Musikpädagogik sowie den Minor Zeitgenössische Musik.

Ergänzend besuchte sie Meisterkurse von Georges Aperghis, Jennifer Walshe, Salvatore Sciarrino, Catherine Michel, Isabelle Moretti und Fabrice Pierre. Alice Belugou musizierte im Orchestre de Chambre de Paris und trat mit den Ensemble Furiant in der Pariser Salle Pleyel, mit dem Trio Synapse, dem Ensemble neuverBand sowie beim «New Directions»-Festival in Piteå auf. 2017 gewann sie mit dem Ensemble georges den 3. Preis beim Internationalen Hugo-Wettbewerb in Feldkirch und war Preisträgerin des Fritz-Gerber-Award.

31.3.2020
Dienstag, 19:30 Uhr
Zürich
Tonhalle Maag
5.4.2020
Sonntag, 17:00 Uhr
Lausanne
Salle Paderewski